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1. Süddeutsche UW-Foto-und Videomeisterschaften am 27. März 2004
Die UW - Fotolandschaft hat sich verändert, weil sich
Prioritäten verschoben haben und die Interessen vieler Taucher anderweitig eingefangen werden. Mit diesem Problem haben nicht nur die Veranstalter von UW - Fotowettbewerben
zu kämpfen, auch die großen Salons der Überwasserszene spüren das, was man Übersättigung nennt. Es genügt, am Sonntagmorgen durch die Kabelkanäle zu zappen und man bleibt ohne
Mühe an mindestens zwei bis drei Unterwasserfilmen hängen. Nicht immer handelt es sich um die neuesten Produktionen, aber das merkt ein Gelegenheitstaucher meistens eh nicht
oder zumindest stört er sich nicht daran. Dann überschwemmen Monat für Monat ein halbes Dutzend mehr oder minder lesbare Tauchmagazine den Markt. Vollgestopft mit Halbwahrheiten,
Endloswiederholungen, aber auch Bildern, die ein normalsterblicher UW - Fotograf auch bei noch so viel Talent und Einsatz kaum in solcher Qualität produzieren kann.
In dieser nicht gerade vor Euphorie strotzenden UW - Fotoszene mutet es direkt halsbrecherisch und selbstmörderisch an, wenn sich ein Landesverband
anschickt, eine Großveranstaltung über UW - Foto und Video zu veranstalten. Kommen überhaupt genügend Zuschauer? Rechnet sich der Aufwand? Vielleicht muss man ein bisschen
verrückt sein, um so ein Risiko einzugehen. Diesen Wesenszug kann man dem Initiator Herbert Bauder, Sachabteilungsleiter für Visuelle Medien im WLT, nicht völlig
absprechen. Manche Menschen sind wie Brandblasen. Sie kommen erst, wenn die Arbeit gemacht ist. In diese Schublade kann man viele stecken, nicht aber „Kugelblitz“
Bauder. Der Mann versteht es angenehm sich in Szene zu setzen, ist ein Hansdampf in allen Gassen und braucht anscheinend wenig Schlaf. Veranlagungen und Voraussetzungen die
notwendig sind, ein solches Event ohne körperlichen Schaden durchzuziehen. Dazu gehört auch die Mitgliedschaft als zweiter Vorsitzender in Deutschlands erstem Unterwasser -
Fotoclub (DUFC), ohne dessen engagierte Mitglieder aus dem Foto- und Video-Festival mit Sicherheit ein rumpeliges Wald- und Wiesenfest geworden wäre. Bereitwillige Idealisten sind
mehr als wichtig - ohne sie geht es nicht. Diese zu finden und zu einer ehrenamtlicher Teilnahme zu aktivieren, ist eine der fundamentalen Maßnahmen beim Veranstalten größerer
Foto-Festivals. Das haben die Schwaben mit ihrem schaffigen Wesen gut gemeistert. Nachdem die Visuellen Medien im VDST das aus 16 Bundesländern bestehende Deutschland
in drei Landesveranstaltungenaufspalteten, Norddeutsche-, Mitteldeutsche- und Süddeutsche Meisterschaften, ergab dieser Schachzug natürlich eine breite Teilnahme von UW -
Fotografen aus Hessen, dem Saarland, aus Baden-Wüttemberg und aus Bayern. Die Überlegung, auf diese Weise den Saal besser füllen zu können, ging absolut auf. Auch wenn es sich
neben den Teilnehmern mehrheitlich um die eigene Verwandtschaft und Schlachtenbummler gehandelt haben mag.Organisatorisch lief die Veranstaltung weitgehend reibungslos ab. Ob
man allerdings in den einzelnen Kategorien alle Teilnehmer bis Platz 10 nach vorne rufen und mit Urkunden schmückensollte, war zumindest bei den Zuschauern ein gedämpfter
Diskussionspunkt. Die ersten drei, so war zu hören, hätten eigentlich für die Ehrungen ausgereicht. Weil dem aber nicht so war, zogen sich die Huldigungen bis Mitternacht hin und
es blieb wenig Zeit zum Kennenlernen und Diskutieren - zumal die Uhren in dieserNacht wegen der Sommerzeit auch noch eine Stunde vorgestellt wurden. An was man alles denken
sollte...Das Niveauder eingereichten Bilder war erfreulich hoch. Insbesondere in der Kategorie „Top Ten“ war stellenweise eine Qualität vorhanden, die es vor Jahren nicht
einmal international zu sehen gab. Für Einsteiger mag das frustrierend sein, doch selbst in der analogen Beginnerkateorie wurden ansprechende fotografische Leistungen gezeigt, für
die man früher mit einfacher Fototechnik oft Jahre brauchte. Auch die Zukunft macht vor solchen Foto-Festivals nicht Halt. Erstmals wurde eine Kategorie für Anfänger mit
digitalen Kameras geschaffen. Eine Sparte, die im Kommen ist und mit reizvollen Motiven zu gefallen wusste. Die Bildbearbeitung am Computer nahmen die Akteure allerdings so ernst,
dass sie gar nicht merkten, dass Kontraste schön und gut, aber nicht alles sind. Und auch die Bildschärfe wurde oftmals so wild überzogen, dass die meisten der mittels Beamer auf
die Leinwand geworfenen Bilder so unnatürlich wirkten wie Aliens auf dem Münchner Viktualienmarkt. Keine Frage aber, dass diese Kategorie in einigen Jahren den Dia -
Präsentationen zumindest quantitativ das Leben schwer machen wird. Das Süßwasserthema „Wasser in Bewegung“ mag sich gut anhören, es beim Tauchen fotografisch umzusetzen,
hat den UW - Fotografen erhebliches Kopfzerbrechen bereitet. Es ist zwar nicht direkt misslungen, aber ein Großteil der Teilnehmer hielt mehr oder weniger die Kamera in einen
Wildbach und drückte ab. So ähnelten sich die Dias der Teilnehmer fast wie die eineiigen Kinder einer Großfamilie. Hier besteht Handlungsbedarf bei den fotografischen Grundlagen
(längere Belichtungszeit, Blitzsynchronisation auf den zweiten Vorhang, Kamera mitziehen), der die heimischen Gewässer besser zur Geltung bringt und viele kreative Möglichkeiten
offen lässt. Erstmals seit Jahren konnten die Besucher auch wieder eine Fotowand mit Bildern betrachten. So was lockert auf und regt Gespräche an. Man sollte das bei der KLB im
nächsten Jahr in Essen ebenso machen. Leider waren die gezeigten Großfotos aber unisono Diaabzüge. Daran ist zwar nichts falsch oder anrüchig, aber man hätte sich gewünscht, dass
sich mehr Digitalfotografen mit dieser Kategorie auseinandergesetzt hätten. Ob Digitalfotografen für die nächste Zeit eine eigene Papierbildkategorie bestücken sollten, sorgte
jedenfalls für Gesprächsstoff im Publikum. Insbesondere auch wegen der immer noch geringeren Chancen bei Auflösung, Schärfe und Farbe im Vergleich zu Diaabzügen. Wie geht es
weiter mit der analogen UW - Fotografie? Ein großes Lob muss man dem Veranstalter aussprechen, weil er dem Mut gefunden hat, entgegen des digitalen Trends eine Einsteiger -
Kategorie für Analogfotografen zu schaffen. Hier konnten sich Motormarine - Besitzer und Nikonos - Eigner noch unter Ihresgleichen fühlen. Mancher Einsteiger verblüffte zudem
mit sehr guten Bildern, die man aber wohl eher einer analogen SLR zuschreiben musste. Egal, diese Kategorie kann es noch lange geben, wenn die visuellen Medien im VDST der
analogen Einsteigerfotografie die Steigbügel halten. Denn das Dia wird in seiner Gesamtqualität noch Jahre unschlagbar bleiben. Es muss deshalb als überflüssig betrachtet werden,
das Totenglöckchen zu läuten, solange einer lebt und quietschfidel ist.Sorgenkind der Visuellen Medien ist und bleibt die Videografie. Was hier als wettbewerbsfähig eingereicht
und mangels Qualität prämiert werden musste, hat den Namen Film eigentlich nicht verdient. Der zuständige Sachabteilungsleiter ist wahrlich nicht zu beneiden. Das Interesse an
Lehrgängen ist etwa so groß wie die Teilnahme an einem Kirschkern - Weitspuckwettbewerb, Kreativität und Ideen bewegen sich auf dem Niveau der Berge in der norddeutschen
Tiefebene. Sind Videografen andere Menschen als Fotografen? Es scheint so. Dabei gibt es nachweislich mehr Taucher, die mit Videogeräten durchs Riff schwimmen als UW -
Fotografen. Aber die Arbeit eines Filmers beginnt eben schon vor dem Urlaub. Drehbuch, Lokalität, Organisation — oh Schweiß lass nach. Und nach dem Urlaub hat einen die
Maloche erst recht im Griff. Material sichten, Musik aussuchen, Text schreiben, schneiden, einen guten Sprecher auftreiben. Die Wochenenden verrinnen in dieser Nebentätigkeit wie
Wasser aus einem Sieb. Das, so scheint es, ist den Meisten zu viel Arbeit. Der Rest dürfte zudem noch finanziell, handwerklich und künstlerisch beim Kreieren eines Films
überfordert sein. Perspektiven wie aus einem tiefen, schwarzen Loch. Über alledem war erfreulich, dass sich in den einzelnen Kategorien auch Fotografinnen wie Martina Bauder
und Martina Furtwängler weit vorne platzieren konnten und so für feminine Farbtupfer sorgten. Eine Veranstaltung über die man noch viel schreiben könnte, aber wenig Negatives. Und
das ist mehr als erfreulich. So empfand es wohl auch VDST-Präsident Prof. Dr. Franz Brümmer bei seinem Heimspiel. Mit sichtlichem Vergnügen genoss der temporär vom Wissenschaftler
zum Funktionär mutierte Biologe den bunten Abend. Schließlich sind UW - Fotografen die größten Werbeträger im Verband. Ein Präsident, der das erkannt hat, darf auch mal mit
Exzellenz angesprochen werden.
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