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seaQuest war mit seinen Jackets der Begründer einer Revolution, die vom volkstümlich genannten „Klodeckel“ zu den Tariertechniken
führte, die heute im Tauchsport üblich sind. Das erste Ladyjacket stammt von diesem Hersteller und nun auch der erste Sofasessel, den man sich zum entspannten
Abtauchen auf die Schultern legen kann. Das FUSION von seaQuest irritiert dabei altgediente Taucher, macht aber den Nachwuchs neugierig. UnterWasserWelt setzte
das jüngste Topprodukt aus USA in eiskalten Seen ein machte sich ein intensives Bild von diesem „Tauch – Chevrolet“.
Form, Materialgefühl
und Preis sind beim FUSION signifikante Merkmale, die schon auf dem Trockenen deutlich machen, dass es sich hier um ein Tariermittel handelt, das spontane Zuneigung
oder vorsichtige Distanz weckt. Es ist schlicht anders als das, was man bislang von Jackets gewohnt war. Der Schnitt verlagert – auch optisch - den
Mittelpunkt der Auftriebskörper auf den Rücken, entwickelt Wingstrategien. Die ungewöhnlich samtige Materialoberfläche der Schultergurte und von Teilen der
Rückenpolsterung lässt emotional zunächst bei altgedienten Hardlinern dem Jacket Kompetenz absprechen, die glatte Kunststoffgewebe an der Außenhülle erwarten. Softig
und doch wieder dominat fordert das FUSION zur näheren Auseinandersetzung auf.
Einem aktuellen Trend folgend verzichtet das seaQuest FUSION auf einen
klassischen Inflator und überträgt dessen zusammengefassten Funktionen wie Luftein- und Auslass, Schnellablass und Notbefüllung über das Mundstück auf getrennt
platziert Ventilmechanismen. Ein verlängerter Inflatorschlauch, weitgehend im Jacket verdeckt geführt, wird mit einem drehbaren Einlassventil am vordersten und
tiefsten Punkt der linken Jacketseite verbunden. Dieses funktioniert wie ein gewohntes Lufteinlassventil an Trockentauchanzügen. Drei Schnellablässe (Griffstück mit
Seilzug zum Ventil), einer auf der rechten Schulter, zwei an den tiefsten rückwärtigen Punkten, erlauben die Entlüftung. Die hinteren Ventile sind natürlich nur in
Schwimmlage wirksam, das Schulterventil ab einer leicht aufgerichteten Position. Der Seilzug unmittelbar über dem Lufteinlassventil wirkt auf den linken h i n t e
r e n Auslass, was zunächst die Taucher zum Umdenken zwingt, die es gewohnt sind mit einem ganz normalen Inflator zu tarieren. Denn da sitzt auf der linken
Schulter das meistbenutzte Auslassventil. Man muss, trainiert auf herkömmliche Inflator, immer ein Stück weit mitdenken, in welcher Position der Körper im Wasser
liegt um das für den Luftauslass richtige Ventil zu bedienen. An der rechten Jacketseite sind dann entsprechend zwei Seilzüge für das einzige Schulterventil und den
rechten rückwärtigen Auslass angebracht. Um sicher zu stellen, dass das Griffstück des Schulterventils auch mit Handschuhen rasch und zweifelsfrei gegriffen werden
kann, empfehlen wir am rechten oberen D-Ring kein Zubehör zu befestigen, auch keine Spiralkabeltools, denn dies behindert den zielsicheren Griff zum Ablassventil.
Wir hätten uns gewünscht, dass das Schulter - Entlüftungsventil auf der linken Jacketseite platziert worden wäre. Das Handling, ausgehend von der Wirkungsweise eines
herkömmlichen Inflators, wäre einfacher weil logischer. Auch im Notfall könnte ein hilfeleistende Taucher wie gewohnt mit einer Hand, der rechten Hand, Luftein- und
Ablass bedienen um einen kontrollierten Notaufstieg zu steuern. Unser Rat: Um Tauchpartner mit den besonderen Merkmalen des seaQest FUSION bekannt zu machen, sollte
auf die Lage und Funktion aller Ventile beim Buddycheck deutlich hingewiesen werden.
Die Tarierhilfe für den Notfall, beim Ausfall des Inflators, ist
marktbekannten Beispielen folgend ein Kunststoffschlauch ohne besonders konstruiertes Mundstück, lediglich ein kleines Rückschlagventil wird von den Lippen umschlossen
und der Taucher bläst selbst die Luft ins Jacket. Der Schlauch befindet sich oberhalb des linken Bleieinschubs in einer kleinen Tasche, die mit Klettband verschlossen
ist. Zwei Ösen auf der Tasche bereiten die Befestigung eines optional erhältlichen Messers vor.
Das FUSION nimmt zwei Bleitaschen für integriertes Blei auf,
zwei Trimmbleitaschen können zusätzlich mit maximal 2 kg bestückt werden. Die Taschen, die das Blei selbst aufnehmen sind aufwändig konstruiert um die Bleistücke
optimal zu verteilen und um je nach Körperlage im Wasser ein Luftpolster wirken zu lassen, damit die Gewichte nicht auf den Körper drücken. Eine
Kunststoffschnalle mit Griffstück hält die Bleitaschen im Jacketeinschub. Da sich die Griffstücke auch in unmittelbarer Nähe zu den Ablassventil – Knebeln
befinden und kein besonders ausgeprägter Zug erforderlich ist die Taschen zu entriegeln, darf man bei Kaltwassertauchgängen mit Handschuhen an den Händen nicht zu
ungestüm ans Werk gehen, denn sonst könnte man schon einmal versehentlich statt am Ablassventil an der Bleitaschenentriegelung ziehen. Auch hier gilt für den User sich
mit der Geometrie des Jackets vertraut zu machen.
Ungewöhnlich puristisch ist die Idee der Zubehörtasche an der rechten Jacketseite. Bleieinschübe und die
Luftpolster darunter diktieren eine Lösung, die einen einmaligen Charakter hat. Verborgen unter einer Blende, deren Verschluss mit Klettband an der Hülle des FUSION
eingelassen ist, befindet sich eine ausrollbare Tasche mit Reißverschluss.
Die Lage der Luftblase ist fast völlig auf den Rücken konzentriert. Sie schmiegt sich
an die Seiten der Pressluftflasche und entspricht so dem Wingprinzip. Das garantiert eine ausgewogene horizontale Schwimmlage und minimiert den Wasserwiderstand. Um
den Tragekomfort zu erhöhen und um an der Wasseroberfläche der Kraft entgegenzuwirken, die bei Wingjackets den Körper nach vorne zu neigen versucht, arbeiten kleine
Luftpolster unter den Bleitaschen am Kräfteausgleich. Das funktioniert am besten, wenn Gewichte in den Trimmbleitaschen eingesetzt sind.
Viel Augenmerk schenkte
man auch der Begurtung, immer höchsten Komfort als Ziel gesetzt. Die Schulterstücke sind breit und gepolstert und die Schnallen im ADV – Bereich drehbar, so dass
sich der Gurtverlauf automatisch den notwendigen Gegebenheiten anpasst. Brust- und Bauchgurt verbinden die beiden Jackethälften mit üblichen Schnallen, der breite
Bauchgurt mit Klettverschluss ist dehnbar, er hat so in jeder Tiefe, ob mit Trocken- oder Nasstauchanzug getaucht, die optimale, bequemste Weite. Die Rückenpolsterung
lässt nichts zu wünschen übrig, auch ein Sessel kann wirklich nicht bequemer sein.
Auf eine Fangschlaufe verzichtet das FUSION, dafür hat man einen Gurt mit
Griff oberhalb der Rückentrage eingearbeitet (Funktion nur ohne montierte Pressluftflasche). Die Flasche wird wie üblichen von einem Gurt mit Spannschnalle an der
Trage befestigt. Gegen das Verrutschen der Flasche ist eine „Tank Traction“ (der Flaschenwölbung angepasste Kunststoffplatte mit strukturierter Oberfläche) in
das Backpack integriert. Die senkrechte Ausrichtung der Flasche unterstützt noch ein zusätzlicher Gurt unterhalb des Flaschengurts, der für die Durchmesser von 15
l Flaschen oder auch der kurz gebauten 12 l Tanks fast ein wenig zu kurz geraten wäre. Größere Volumina als 15 l (Empfehlung des Herstellers) oder auch Doppelgeräte
können am FUSION nicht eingesetzt werden.
Die Farbgebung des FUSION in schwarz und dunkelgrau wirkt natürlich edel und man hat langfristig auch keine Probleme
mit ausbleichenden Farbstoffen. Verschiedene Applikationen mit weißen Schriftzügen sollen reflektierend bei nächtlichen Einsätzen die Standortbestimmung erleichtern.
Verglichen mit normalen ADV –Jackets ist das FUSION höher, bedingt durch die U – förmige Blase, die die Flasche gleichsam ummantelt.
Praxis
Das FUSION wurde seiner hervorgehobenen Stellung entsprechend sehr intensiv unter schwierigen Bedingungen getestet, im winterlichen Kaltwasser von
Seen, mit Trockentauchanzügen und Halbtrockenen. Der subjektive Eindruck der Bequemlichkeit setzt sich im objektiven Empfinden über und unter Wasser fort. Die im
Zusammenspiel mit anderen Jackets ermittelte optimale Bleimenge musste beim FUSION etwas erhöht werden. Die Trimmbleitaschen müssen befüllt sein, damit an der
Wasseroberfläche eine aufrechte Lage erreicht wird. Der Lufteinlass lässt sich gut bedienen und reagiert spontan. Ebenso zuverlässig arbeiten die Auslassventile,
wobei man etwas üben muss feine Dosierungen zu erreichen, die Luft entweicht eben schneller als aus einem normalen Inflator – Faltenschlauch. Um- und Mitdenken
ist bei der Steuerung der Ablassventile im Verlauf der ersten Tauchgänge erforderlich. Unter Wasser stellt sich die Schwimmlage einem Wingjacket entsprechend
ausgewogen dar. Der Wasserwiderstand ist gegenüber einem klassischen Wing aber etwas geringer, da das Luftpolster, in einem nach unten offenen U, nur den freien Raum
zwischen Flasche und Rücken ausfüllt. In jedem Befüllungszustand lassen sich die Bleitaschen sanft herausziehen. Um bei den ersten Tauchgängen, bei denen die Finger
in dicken Handschuhen stecken, Verwechslungen zwischen Bleitaschengriff und Auslassventil zu vermeiden, sollte man den Zugriff auf die Ventile bewusst
durchführen. Nichts drückt, die Gurte verlaufen optimal, der elastische Bauchgurt wird auch als angenehm empfunden.
Fazit
Das Topmodell
von seaQuest entspricht den gehobenen Ansprüchen an Bequemlichkeit, wie sie im Ursprungsland des FUSION, in USA, ab einer gewissen Preisklasse definiert sind. Man
spricht darüber – und man muss darüber sprechen, gerade auch mit dem Buddy, damit auch ihm die Ventilfunktionen klar werden. Beste Verarbeitung und somit
Langlebigkeit ist bei seaQuest Standard. All das hat seinen Preis, aber einen Chevrolet gibt es eben nicht beim Discounter...
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