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Selten hat ein so spezieller Markt wie die Kundschaft für die VX 2000 bzw. PD 150 von Sony eine so große Qual der Wahl gehabt wie
aktuell, sich für ein Gehäuse zu entscheiden. Nachdem der Fa. MULTITEC der Deal gelang das VX 2000 Gehäuse von Sea & Sea exklusiv zu vertreiben und so das
Desinteresse des Sea & Sea Importeurs JWL - Aqualung an diesem Vertriebssegment in Deutschland etwas abschwächte, können sich die Interessenten an einem Video
– U – Boot erfreuen, das nur wenig Wünsche offen lässt. Wer sich als Amateur für das Gehäuse interessiert, sollte gut bei Kasse sein, denn der Vertriebsweg
über diverse Zwischenhandelsstufen macht das VX 2000 Pro nicht zum Schnäppchen, andererseits kauft man sich so eine Anlage auch mit der Absicht semi- bzw.
professionell damit zu arbeiten, sprich Geld damit zu verdienen.
Da kommt man schon ins Staunen, umrundet man das erste Mal den Videokreuzer aus dem fernen
Japan. Understatement ist nicht Sache dieses Gehäuses, Griffe, Tasten und Handräder lassen in ihren Dimensionen erahnen, dass vor allem der US – Markt im Visier
ist. Man hat alles im Griff. Das Layout der Schalter, Hebel und Tasten ist „heavy duty“ tauglich, da beißt sich der Weiße Hai die Schneidezähne aus und Finger in
dicken Handschuhen spielen darauf Klavier. So konzipiert müsste es als militärtaugliches System, das überwiegend auf mechanische Steuerung setzt, olivgrün eloxiert
sein in seinem Alumantel und nicht silbern und schwarz wie ein Orca.
Außenansicht
Massives Alu, seewasserfest eloxiert, schützt die VX 2000. Auf
schwarzen Alugussteilen, die am Gehäuseboden montiert sind, sitzen die massiven Metall - Handgriffe. Der linke Griff dient lediglich zur Stabilisierung, zur ruhigen
Kameraführung, rechts sind 4 deutlich unterschiedene Drucktasten, die auch mit Handschuhen das Gefühl für die Position des Daumens erlauben. Oben sind die grauen
Zoomtasten platziert, unten, rot markiert und rund im Oberflächenprofil, die Aufnahmetaste (Start / Stop). Rechts daneben, fast versenkt, bedient man die Fotoshot
– Taste. Hier findet man sich wirklich blind zurecht. Der Clou bei diesem System, die Funktionssignale werden auf dem Infrarotweg weitergeleitet. Drückt man eine
Taste, kann man am Aufleuchten einer kleinen Diode, an der linken Seite des Griffs, erkennen, dass die Steuersignale zum Empfangssensor an der Gehäuseaußenwand
übertragen werden. Leuchtet bei Tastendruck nichts, dann ist die im Handgriff integrierte Lithium – Batterie 3 V, Typ CR 2, leer. Da dies kein überall im Kiosk
erhältlicher Typ ist, sollte Ersatz vorbereitet sein.
Auf den Handgriffen hat Sea & Sea je einen T – Nut – Stein und eine V 4 A Öse angebracht.
Sicherungstools und Lichtanlagen oder Zubehör können also problemlos montiert werden.
Vom linken Handgriff aus erreicht man das Rändelrad für den manuellen
Focus, die manuelle Blende, die Tasten zur manuellen Aktivierung von Schärfe und Blende und den Hebel für den Graufilter. Vier Blindbuchsen auf der linken Gehäuseseite
erlauben die Verkabelung einer Fernsteuerung, Videoübertragung oder den Monitoranschluss bzw. bereiten die Verwendung spezieller Funktionen der PD 150 vor.. Die Finger
am rechten Handgriff erreichen das groß dimensionierte Rändelrad für den manuellen Zoom sowie den Hebel für Power on / off. Weiter vorn ist noch die Durchführung
für den Flipfilter, der von innen vor das Objektiv geschwenkt werden kann. Werkseitig eingebaut ist ein Color – Korrekturfilter, das in Tiefen zwischen 5 –
und 20 Metern natürliche Farben ins Motiv zaubert. Alternativ könnte man auch eine Nahlinse einsetzen, damit man vom Großfisch bis zur Koralle alles bei einem
Tauchgang in Szene setzen kann. Dann sollte, als unser Tipp, ein außen aufsteckbares Korrekturfilter angeschafft werden, damit die Totalen oder Halbtotalen nicht
im einheitlichen Blau aufgezeichnet werden.
Der Blick aufs Objektiv (WW – Faktor 0,5) in Schraubfassung, vergütet, voll zoomfähig, Bildiagonale ca. 65°,
geschützt von einem Gummiüberzug auf der Fassung, zeigt beste Verarbeitung. Zwei kleine Streulichtblenden ober – und unterhalb des Objektivs sollen
Seitenlichteinfall begrenzen. Fast unscheinbar lugt über dem Objektiv das UW – Mikrofon aus dem Gehäuse.
Auf dem Weg zum Rückdeckel muss noch der massive
Tragegriff, in zwei Gelenken gelagert und so um 180° schwenkbar, erwähnt werden. Der Rückdeckel, von einem Viton – O-Ring radial gedichtet , ist in schwarz
eloxiert. Zwei Excenterverschlüsse, links und rechts montiert , verbinden die Gehäuseteile.
Der Sucher als zentraler Punkt, ist um etwa 15° angewinkelt. Das
erleichtert Dreharbeiten in Schwimmlage oder nahe am Grund. Mehr als 3-fach vergrößert der Sucher das Bild des kleinen LC –Displays. Zudem ist die
Austrittspupille nach außen verlegt, das heißt, man sieht auch mit einigen Zentimetern Abstand vom Sucher noch das gesamte Bild. Das kann man durchaus als komfortabel
einstufen.
Eine Reihe von manuellen Tasten, Rändelrädchen und Hebeln sind im Rückdeckel eingelassen. Zunächst der fast wichtigste Hebel – der
Verschluss des Suchers, damit kein gebündeltes Sonnenlicht auf die Folie des LC –Displays fallen kann um da sein teures Unwesen zu treiben.
Weiters kann
man sämtliche zusätzlichen Funktionen des automatischen bzw. manuellen Kamerabetriebs von hier aus steuern. Natürlich auch den Weißabgleich, die Verschlusszeit, die
Programmautomatiken und alle über das Menue zu erreichenden Funktionen. Das heißt nichts anderes, als dass das VX 2000 Pro von Sea & Sea die Steuerung aller
aufnahmerelevanter Parameter vorsieht. Außer der Szenenrückschau haben wir alles gefunden, was der Wettbewerb sonst bietet.
Fast hätten wir die Leuchtdiode der
Leckwarnung vergessen, die durch eine eigene Knopfzelle (CR 2032 – 3 V) gespeist, unterhalb des Suchers eingearbeitet ist – kein Wunder bei der Menge der
Funktionen.
Innenansicht
Verwöhnt durch aalglatte, elektronisch gesteuerte Gehäuse mutet der erste Blick in die heiligen Hallen des Videokreuzers wie der
in den Maschinenraum von Kapitän Nemos U – Boot von „20.000 Meilen unter dem Meer“ an. Zahnräder, Wellen und Reibräder, daneben ein paar Kästchen mit
elektrischen Bauteilen, Mikroschaltern und Chips, da ist was geboten fürs Auge. Aber das soll nicht irritieren, das macht der Sache keinen Abbruch, man ist es nur
nicht mehr gewohnt. Nach der ersten Auseinandersetzung mit dem Interieur erscheint das alles in erster Linie als feinmechanische Spitzenleistung, weniger als
unübersichtliches viktorianisches Technikmuseum.
Zur Schlittenfahrt ins Gehäuse muss die VX 2000 aber zunächst einige Vorbereitungen über sich ergehen lassen.
Im mitgelieferten Zubehörpack findet man jeweils zwei Zahnkranzhälften, die am Zoom- und Schärfering der Kamera montiert werden müssen. Ein kleiner, beigefügter
Kreuzschlitzschraubendreher leistet dabei gute Hilfe, trotzdem ist das keine Aktion, die zwischen Tür und Angel durchgeführt werden kann. Also, wer es eilig hat,
dieses System zu Wasser zu lassen, der muss frühzeitig mit den notwendigen Vorbereitungen beginnen. Auf dem Schlitten sind weitere Übertragungselemente für den
manuellen Zoom und die manuelle Blende montiert. Ein wenig fummelig ist schließlich das Platzieren des Camcorders, die Handschlaufe muss nach einem bestimmten Schema
gestrafft sein, die Abdeckung zum Lanc – Anschluss darf auch nicht vergessen werden. Um die Stativschraube festzudrehen bedarf es einer Münze. Dafür ist die
Arretierung des Schlittens wieder eine massive Rändelschraube im „US – Format“.
Um den Schlitten samt Kamera in das Gehäuse gleiten zu lassen, muss
die Achse der Blendeneinstellung etwas herausgezogen werden, ebenfalls die des Zooms. Diese ist jedoch federnd gelagert und muss beim Einschieben des Aufnahmesystems
in gezogener Position gehalten werden.
Die elektrischen Bauteile sind an der rechten Innenwand montiert, „unterm Dach“ wäre besser, sollte sich der Ozean
in kleinen Portionen doch einmal den Weg ins Innere bahnen...
Zwei Kabelanschlüsse - für das Mikrofon und die Fernsteuerung (Lanc) – sind
herzustellen, das schließt dann den Akt des Kameraeinbaus ab.
Handling
Das Sea & Sea VX 2000 Pro ist eindeutig ein Produktionsmittel, das ein
wenig Aufmerksamkeit und ruhiger Vorbereitung bedarf. Wer seine VX 2000, die für den Einsatz im Gehäuse mit zwei Zahnringen bestückt werden muss, beim Betrieb an Land
ohne diese einsetzen möchte, muss die entsprechenden Montagezeiten einplanen. Das tut nicht weh, muss aber berücksichtigt sein. Die Schlittenmontage muss gleichsam gut
vorbereitet sein. An Land ist das System nicht unbedingt ein Leichtgewicht. Die Menge an unverwüstlichen Metallbauteilen summiert sich natürlich. Obwohl alles so
wuchtig wirkt, beim Dreh findet man intuitiv alles dort, wo man es sucht – natürlich sind alle Funktionen vorbildlich beschriftet. Die für eine Aufnahme
wichtigsten Funktionen sind zu bedienen, ohne die Finger von den Handgriffen zu nehmen. Dreht man mit der VX 2000 ohne Gehäuse, vermisst man fast die praktische
Anordnung von manueller Schärfe und manuellem Zoom. Der Suchereinblick ist einwandfrei, man muss nicht immer am Okular kleben, um sich einen Überblick über das ganze
Bild zu verschaffen. Mit nur etwa 100 g Abtrieb (Salzwasser – ohne Zubehör) ist das System vorbildlich tariert.
Fazit
Die Idee von
elektronischer Steuerung weitgehend unabhängig zu sein, wurde in diesem Produkt kompromisslos realisiert. Außer dem Aufnahmelauf und dem Fotoshot ist alles mechanisch
zu schalten. Sollte die Start / Stop – Funktion versagen, kann man immer noch vor einem Tauchgang, an Land, die Aufnahme an der Kamera starten, das Gehäuse
verschließen und mindestens 60 Minuten Aufnahmezeit stehen zur Verfügung. Das ist wichtig für Produzenten, die ständig fern ab jeder Servicestation auf Drehreise sind.
Gewicht und Verpackungsdimension des Gehäuses machen es aktuell aber eher schwierig, es bei Flugreisen mit in die Kabine nehmen zu können. Die Variationen zur
optischen Ausstattung erschöpfen sich in einem Planport (Ziel: Makro- und Nahaufnahmen). Die Tiefengrenze von 75 Metern muss bei professionellen Planungen bedacht
werden (ferngesteuerter Betrieb). Alles in allem – nicht geschenkt, aber es ist auch was dafür geboten.
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