|
Es gibt Tauchgebiete auf der Welt, die sind nur Eingeweihten bekannt. Ziele, die sich von überlaufenen Lokalitäten wie
Hurghada oder dem Sinai unterscheiden wie eine wenig besuchte Almhütte vom Ballermann. Wenn Sie einsame Spitzentauchplätze suchen, dann dürfte dieser
Beitrag für Sie genau richtig sein. Herbert Frei entführt Sie zu einer Destination, die viele nicht einmal vom Hörensagen her kennen.
Oft ist es
so, dass man zuerst mit der Nase daraufgestoßen werden muss. Auch mir sagte Roatan wenig. Ich wusste nur, dass es sich in der Karibik befindet. Nähere
Erkundigungen machten mich schließlich schlauer. Roatan ist eine Insel, gehört zum Bahia - Archipel und liegt etwa 50 km vor der karibischen Küste von
Honduras. Zum Bahia - Archipel zählen noch die Inseln Utila und Guanaja. Unter diesen Dreien ist Roatan mit 127 Quadratkilometer die größte, besitzt als
einzige einen Flughafen. Start und Landemanöver können mitunter etwas kribbelig sein, denn die Lande- bzw. Startbahn endet kurz vor dem Meer. Wie ein
langer Schlauch liegt das ca. 49 km lange und maximal nur 5 Km breite Eiland im klaren Wasser der Karibik. Zusammen mit den Schwesterninseln beherbergt
Roatan die zweitgrößten zusammenhängenden Korallenriffe der Welt. Nur noch übertroffen vom Great - Barrier - Riff in Australien. Das war die erste große
Überraschung. Tauchgründe so groß und weitläufig, dass man vermutlich Jahre benötigt, um sie halbwegs abzutauchen. In der Karibik jedenfalls würde man
solches nicht vermuten. Roatan ist vielleicht in Europa wenig bekannt, in den USA gehört die honduranische Insel zum Basiswissen engagierter Taucher, hat
fast denselben Status wie Korsika in Europa. So kommt es, dass man auf Roatan an bestimmten Küstenabschnitten vielen Tauchern begegnen kann, kaum aber
welchen aus Europa. Amerikanische Tauchschulen wachsen an einigen Stellen aus dem Boden wie andern Orts der Regenwald. Dorthin zu gehen, ist nicht
empfehlenswert, denn amerikanisches Tauchen ist nichts für Europäer, schon gar nicht für individuell veranlagte deutsche Taucher, und zweimal nicht für
Fotografen und Filmer. Dreißig Minuten im Pulk, max. 20 m tief, alle hoch, wenn die erste Flasche leer ist, Fotografieren im Vorüberhuschen. Für einen
freiheitsliebenden Menschen, der auch unter Wasser gern machen will, was ihm in den Sinn kommt, wäre das ein Alptraum.
Reef - House - Resort
Dass es auch anders geht, freier und ungezwungener, mit viel Idealismus und perfekten Ortskenntnissen, zeigten Hotel und Basis von Lucian Borgan in
Oak Ridge, einem kleinen Dorf mit Pfahlbauhäusern, einer Wasserstrasse mitten durch den Ort und ideal gelegen für Ausfahrten zu den benachbarten Riffen.
Oak Ridge erreicht man auf einer teils gut asphaltieren Strasse vom Flughafen Juan Manuel Galves in etwa 45 min. Dann steigt man um auf ein Boot, das einen
innerhalb weniger Minuten zum direkt am Wasser gelegenen Resort bringt.Hotel ist vielleicht etwas zu viel gesagt. Das Reef - House ist ein aus Holz
gebauter Komplex, bestehend aus einzelnen Zimmern mit Dusche und Toilette, einem Speiseraum und einer Open – Air - Bar. Dem Reef - House - Resort ist
die Tauchbasis direkt angeschlossen. Alles ist einfach, aber geschmackvoll und vor allem sauber. Täglich werden die Zimmer geputzt, es gibt frische
Handtücher, neue Bettbezüge. Trotz Wohnlage in unmittelbarer Nähe des Regenwaldes und wenig einladender Dorfidylle finden sich in den Zimmern so gut wie
keine unangenehmen Krabbeltierchen. Auf empfindliche Naturen mag das beruhigend wirken, soll es auch.Das rustikale Reef – House - Resort, das eher
einer Dschungel - Lodge ähnelt als einem Clubhotel, ist allerdings ungeeignet für nichttauchende Begleiterinnen und ebenso für Kleinkinder, weil es keinen
Strand gibt und man im Prinzip etwas isoliert lebt. Ohne Boot kommt man nicht weit. Wer glaubt, hier am schicken Pool einen Drink schlürfen zu können, wird
sich bald fehl am Platze vorkommen. Hier gibt es nur Meer, Urwald, Mangroven und Pfahlbauten. Dafür aber Tauchen total. Und deswegen ist man schließlich
hier.
Gegessen wird immer gemeinsam, dreimal am Tag. Es geht zu wie bei Muttern. Nachschlag ist erwünscht. Man darf keine Sterneküche erwarten.
Trotzdem ist erstaunlich, was die Frauen in der Küche zaubern. Wenn die Schalen mit Königskrabben dampfend aufgetragen werden, dann weiß auch der
Unbedarfteste, dass hier mal wieder bis zum Umfallen geschlemmt werden darf. Auf Roatan bestimmen Meerestiere den Speisezettel. Daneben kommen erstaunlich
schmackhafte Kartoffeln, Fische, Fleisch, Teigwaren und Reis auf den Tisch. „All inclusive“ sind Fruchtsäfte, Eistee, Wein, Kaffee, Tee und Wasser.
Früchte und Eis komplettieren mittags und abends die Menüs. Manchmal auch ein gewöhnungsbedürftiger Kuchen. Zum Frühstück, das amerikanische Züge trägt
(Lucian Borgan lebte lange in Florida), werden oft Pfannkuchen, Eier und Speck sowie ein typisch englisches Weißbrot gereicht.
Tauchkulisse
Wie viele verschiedene Tauchplätze Roatan besitzt, liegt in den Sternen. Die Reef – House - Basis hat etwa 40 - 50 Stück katalogisiert,
über die besten sogar kleine Zeichnungen verfasst, damit man sich die Lokalität beim Briefing besser vorstellen kann. Da Roatan in der Karibik liegt,
taucht man in eben dieser typischen UW - Landschaft. Allerdings gewinnt man den Eindruck, dass hier vieles größer, gewaltiger und
|