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daher aufgrund der noch nicht vollständig entwickelten Lungenfunktion die Möglichkeit eines Barotraumas der Lunge durch „gefangene Luft“ (air trapping) möglich. Vom Gerätetauchen sollte
vor diesem Alter Abstand genommen werden. Bei noch nicht ganz vollständig entwickeltem Immunsystem treten häufig im Kindesalter auch Infekte der tieferen Atemwege auf. Wenn ein Kind hustet
oder über vermehrte Schleimsekretion klagt, darf auf keinen Fall getaucht werden. Ab dem zwölften Lebensjahr dürften bei normal entwickelten Kindern und gut gemessenen Lungenparametern keine
Probleme beim Gerätetauchen zu erwarten sein.
Herz und Gefäßsystem
Nach einer Studie weisen ca. 40 Prozent der sieben- bis achtjährigen Kinder ein offenes Foramen ovale
auf. Natürlich wächst dieses nicht schlagartig am achten Geburtstag zu. Vor dem achten Lebensjahr ist also auch von der Herzseite her das Gerätetauchen nicht zu empfehlen.
Weiterhin
ist die kindliche Belastbarkeit im Vergleich zum Erwachsenen aufgrund des höheren Ruhepulses eingeschränkt. Tauchgänge mit Strömung oder das Zurücklegen weiterer Strecken unter Wasser sind
daher nicht ratsam.
Bewegungsapparat
Bei Tierversuchen mit Ratten wurde festgestellt, dass Dekompressionsschäden am wachsenden Knorpel ziemlich unwahrscheinlich sein
dürften. Ob und inwieweit die Ergebnisse auf ein Kind übertragbar sind, kann nicht abgeschätzt werden. Schäden am Knochen- und Gelenksystem scheinen jedoch durch das Tragen schwerer Lasten
eher aufzutreten als durch beim Tauchen auftretende Blasen.
Im Ergebnis heißt dies: Solange keine gesicherten Erkenntnisse über Blaseneinflüsse auf wachsendes Gewebe vorliegen, sollen
in jedem Fall nur moderate Tauchgänge in Bezug auf Tiefe und Tauchzeit durchgeführt werden. Dabei ist eine langsame Aufstiegsgeschwindigkeit mit dementsprechenden Sicherheitsstopps absolut
präzise einzuhalten.
Das Tauchequipment der Kinder sollte in jedem Fall wesentlich leichter als das der Erwachsenen sein, wobei die Flossen entsprechend der motorischen Kraft der
Kinder eine angepasste Größe aufweisen müssen.
Psychologische Aspekte
Die emotionale Labilität und neurovegetative Instabilität, welche bis zum achten Lebensjahr
charakteristisch sind, macht Reaktionen bei Kindern auf reale oder eingebildete Gefahren unvorhersehbar. Da sich Kinder in diesem Alter sehr auf ihr visuelles System verlassen, ist auf
ausreichende Orientierung unter Wasser (in diesem Falle auch beim Schnorcheln) zu achten. Selbst um das elfte bis zwölfte Lebensjahr ist es oft schwierig zu beurteilen, ob und wie das
„Kind“ sein Tun und Handeln real einschätzt.
Kindliche Verhaltensweisen unterscheiden sich aufgrund der fehlenden Erfahrung und der Abschätzung der Konsequenzen, die aus dem Tun
erwachsen, ganz erheblich von denen der Erwachsenen. Sie handeln spontan und emotional. Diesem Sachverhalt muss vor allem in der Ausbildung Rechnung getragen werden. Ich beziehe daher in die
Untersuchung zur Tauchtauglichkeit grundsätzlich die Eltern mit ein. Einerseits bekomme ich dabei Informationen über die „Vernunft“ des Kindes, andererseits kläre ich die Eltern über
die mit dem Tauchen verbundenen Gefahren auf. Aus der Diskussion lässt sich dann in etwa abschätzen, wie es um das „Level der Vernunft“ des Kindes (und der Eltern) bestellt ist.
Hals-, Nasen- und Ohrenbereich
Erkrankungen des HNO- und Respirationstraktes kommen bei Kindern gehäuft vor. Hier muss also besonderes Augenmerk auf die Funktionstüchtigkeit
des Systems gelegt werden. Das Barotrauma des Mittelohres ist beim Kindertauchen (aber auch beim Erwachsenen) einer der Hauptgründe für Rückschläge gerade in der Anfängerphase. Dies hat mit
der besonderen Struktur der Eustach‘schen Röhre (Tube oder Ohrtrompete) zu tun, die im Kindesalter kürzer und flacher verläuft und auch aufgrund der häufigen Infekte der oberen Luftwege
sowie der aufgetretenen Mittelohrentzündungen oftmals eine schlechte Funktion aufweist.
Die genaue Untersuchung der Kopf- und Halsregion, verbunden mit einer Endoskopie des
Nasenrachenraumes, wie sie jeder HNO-Arzt ausführen kann, muss Bestandteil der Tauchtauglichkeitsuntersuchung sein. Auch eine Messung der Schwingungsfähigkeit des Trommelfells sowie eine
Sonografie der Nebenhöhlen gehören bei mir als fester Bestandteil zur Untersuchung.
In problematischen Fällen mit Druckausgleichsproblemen habe ich auch hin und wieder zur Diagnostik
und Schulung von Kindern unter permanenter Sicht aufs Trommelfell eine „Tauchfahrt“ in einer Druckkammer durchgeführt, um dem Problem auf den Grund zu kommen.
Die Durchführung der Tauchtauglichkeitsuntersuchung
Bei der Durchführung der Tauchtauglichkeitsuntersuchung gelten, was die Kontraindikationen betrifft, die gleichen Kriterien wie
beim Erwachsenen. Ich persönlich achte auf etwas bessere Ergebnisse als beim Erwachsenen, da der Mangel an Körpergröße, Körperkraft und Erfahrung kompensiert werden muss.
Praktische Hinweise
Bis zum Erreichen der vorhergesagten 90 Prozent der Endgröße des Kindes sollte die maximale Tiefenbegrenzung bei 20 m liegen. Ich propagiere das Tauchen der
Kinder mit Computer aus zwei Gründen: Die Kinder lernen, mit technischem Gerät umzugehen, und sind überprüfbar. Die Überprüfbarkeit bezieht sich auf die ihnen vor dem Tauchgang gestellten
Rahmenbedingungen. Vor dem Tauchgang erfolgt die Vorgabe der maximalen Tauchgangstiefe. Während des Tauchganges kann sowohl der junge Taucher als auch der Begleiter durch wiederholte
Kontrollen der momentanen Tiefe den weiteren Tauchgang den Gegebenheiten (Verfehlungen der Vorgaben) anpassen oder gegebenenfalls abbrechen. Durch unvermitteltes Abfragen der Tiefe soll das
Kind eine Schätzung der momentanen Tiefe aufgrund der letzten Eigenkontrolle durchführen. Dies schult mittelfristig die Relation zur Tiefe und Umgebung beim Kind. Ergibt die Kontrolle des
Computers nach Beendigung des Tauchganges eine Überschreitung der Tiefe um mehr als zwei Meter, soll der nächste Tauchgang ausgesetzt werden. Bei Überschreitung von mehr als fünf Metern wird
der kleine Taucher für den Rest des Tauchurlaubes oder die nächsten Wochen „trocken bleiben“. Das erinnert an drastische Internatszeiten, stellt aber sicher, dass der kleine Taucher
lernt, Verantwortung zu übernehmen und sein Tun zu überprüfen.
Ich empfehle maximal zwei Tauchgänge am Tag bei extrem konservativem Tauchgangsprofil, minimalen
Aufstiegsgeschwindigkeiten und Sicherheitsstopps. Verboten sind JoJo Tauchgänge und natürlich Dekotauchgänge.
Zusammenfassung
Momentan gibt es noch zu wenig gesicherte
Erkenntnisse, was das Tauchen im jugendlichen Organismus bewirkt. Ebenso ist über eventuell zu erwartende Langzeitschäden wenig bekannt. Die Rolle des Tauchmediziners ist daher für eine
gesunde Entwicklung des Kindertauchens von ebenso großer Bedeutung wie für den Organismus des Kindes selber. Wer Tauchtauglichkeitsuntersuchungen bei Kindern durchführt, übernimmt eine sehr
große Verantwortung dafür, dass aus den kleinen Tauchern gesunde große Taucher ohne Schäden werden. Es sollte daher alles getan werden, um diese Ziele zu erreichen.
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