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Eine halbtags arbeitende Mutter (38) mit zusätzlichem Zweitjob und das zeitintensive Hobby Tauchen, das passt nicht wirklich ins Bild
derer, die sich mit dem Gedanken das Tauchen zu erlernen, auseinandersetzen. Das dann auch noch in einem kalten, etwa 600 m über Meeresniveau liegendem
österreichischen Bergsee ist nahezu unvorstellbar. Heike Preisler aus München wollte sich eben diesen Traum vom Tauchen erfüllen.
An einem sonnigen
Sommertag ging es los. Es sollten erst einmal der Kursplan und die Termine besprochen und die nötigen Unterlagen für den Theorieunterricht übergeben werden. „Das ist
also der Kandidat?“ war spontan der erste Satz, mit dem der schelmisch grienende Ernst Rieser, Tauchlehrer beim Kufsteiner Tauchclub Submarine, Heike begrüßte.
Die beinahe sachliche Übergabe der Unterlagen wurde auf der Sonnenterrasse des am Hechtsee befindlichen Restaurants aufgelockert und mit einem gepflegten Cappuchino in
der Sonne begleitet. Schon am nächsten Montag Abend sollte es im Freibad Niederndorf losgehen. Das hatte Heike so in etwa verstanden, auch wenn es anfänglich
einige Tiroler-Dessauer Sprach-Barrieren zwischen Ernst und Heike zu überwinden gab. „Ich bin ja so uffjerecht !“ – mit diesem Satz, einem
Stoßgebet gleich, begann Heike ihren ersten Tauchtag im Freibad Niederndorf, spontan in ihren Heimatslang verfallend. Kritisch schaute sie sich den Inhalt einer große
Tasche (für diese Ausbildung freundlicherweise von der Firma MARES bereitgestellt) allem Tauchequipment an, deren Funktion zu verstehen und für den ersten Tauchgang zu
montieren galt. Mit beruhigender Geste begann Ernst unserem UW-Model in Spe einzelne Bestandteile ihrer Tauchausrüstung zu erläutern. Wozu braucht man einen
Atemregler aus erster und zweiter Stufe bestehend, was besagt dies überhaupt, was muss man beim Montieren beachten ... Also praktische Theorie am Beckenrand. Im
Kachelriff des Freibads geht es dann gleich an die ersten Übungen. Maske ausblasen, Regler wieder einfangen, alles Übungen, die für das Tauchen später von großer
Bedeutung sein werden, denn allzu leicht kann beim Tauchen in der Gruppe eine Flosse des Vordermanns unerwartet im Gesicht landen. Hier nicht in Panik zu geraten,
sondern ruhig Erlerntes anzuwenden, das gilt es bereits im Grundkurs zu trainieren. Mit stoischer Ruhe vermittelte Ernst unter Wasser wichtige Handgriffe, so dass er
sich später die Frage gefallen lassen musste, ob er einmal Mönch in einem buddhistischen Kloster gewesen sei. Zu guter letzt machte Ernst noch einen „winzigen
Fehler“: Er erlaubte der freiberuflichen Spinning-Trainerin, zu tauchen, wie es ihr gerade gefällt, was sich Heike nicht zweimal sagen ließ. Wehe wenn sie
losgelassen! Das ganze endete in wilden Kapriolen der Schülerin und einem kopfschüttelnden Tauchlehrer. Der nächste Tauchgang am Wochenende fand im nahegelegenen
See statt, da das Freibad bereits geschlossen hatte. Bei mittelmäßigen Sichtweiten, bedingt durch die noch leicht anhaltende Algenblüte des Sommers, verspürte Heike
dann doch anfängliche Anflüge von Platzangst, die aber durch humorvolle Einlagen des Tauchlehrers schnell verflogen waren. Immer wieder zeigte er Heike die im Hechtsee
zahlreich vorhandenen Krebse aus nächster Nähe, was den Stress vergessen ließ.. Ein weiterer Tauchgang bewies Heike, wie wichtig es ist, sich unter Wasser klar
verständigen zu können. Ernst fand einen Klappanker (für kleine Boote, wie z.B. Kajaks), den Heike (Als Paddlerin) gut gebrauchen konnte. Erfreut hielt sie den Daumen
hoch „Klasse Ernst, gut gemacht!“. Dieser verstand jedoch das Zeichen so, wie es sich für Taucher gehört – Auftauchen! Erstauntes Nachfragen klärte die
Situation aber schnell auf und sorgte wiederum für Belustigung. Als ein wenig schwierig empfanden sowohl Ernst, als auch die begleitenden Fotografen das hohe
Flossentempo der Probandin, war es doch kaum möglich, der durchtrainierten Schülerin hinterher zu schwimmen. Beim letzten Tauchgang dieses Tages suchten Heike und
Ernst einen Waller (Wels), der beim Tauchgang zuvor von anderen Tauchern gesichtet worden war, sich allerdings gut versteckte und dann in Form eines Menüvorschlags auf
der Speisekarte des romantisch am Hechtsee liegenden Restaurants wieder auftauchte. Keiner hatte allerdings wirklich noch Appetit auf Waller!
Am nächsten
Wochenende nun sollte der Tauchkurs in die letzten und entscheidenden Runden gehen. Eifrig wurde noch während der Tauchpausen Theorie gelernt, schließlich will Frau
sich bei der Prüfung nicht die Blöße geben! Tat sie auch nicht. Mental das größte Problem waren eigentlich nur die Sprünge mit voller Ausrüstung vom Steg in den
See. Eine wichtige Übung, die allen Befürchtungen zum Trotz einwandfrei von Heike absolviert wurden. Mühelos schrieb Heike ihre Theorieprüfung souverän und war
nicht wenig erstaunt, als Ernst die bereits vorbereitete SSI OWD Karte bei einem kühlen Drink und gelöster Stimmung überreichte. Sie sehen, liebe Leser, mag die
Idee, einen Tauchkurs zu absolvieren auch noch so seltsam und in Anbetracht der familiären Situation unmöglich erscheinen, es ist oft gar nicht so schwer sich diesen
Traum zu erfüllen! Das Vorurteil, in unseren Seen gäbe es nichts zu sehen, wurde durch die Praxis des Tauchkurses widerlegt und gegen die kühlen Temperaturen des
Wassers schützte der neue Isotherm – Anzug von Mares auch noch beim dritten Tauchgang des Tages. Wir sehen uns unter Wasser!
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