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Der Tauchsport steckt in einer Farbkrise. Eine Krise, die allerdings in ihrer Größe noch nicht richtig wahrgenommen wurde, bei
Herstellern wie Händlern. Die Schwarzseher sind schon viel zu lange am Ruder und suchen ständig nach Bestätigung für ihr dunkles Image, das einem Sport, der mit
Lebensfreude assoziiert wird, wie kaum ein anderer, nicht gut tut. Die Beharrlichkeit, mit der an der Unfarbe Schwarz bei Anzügen und Jackets festgehalten wird,
irritiert UnterWasserWelt schon lange.
Es scheint eine verkehrte Welt zu sein, dass ein Autor mit 55 Lebensjahren die Moderne anmahnt. Das Mittelalter war
eine farblich eher schlichte Zeit, weil die Farbstoffe in heute bekannter Vielfalt und Anwendungsausrichtung schlicht noch nicht zur Verfügung standen. In ein
Mittelalter zurückgefallen präsentiert sich seit Jahren eine stur verfolgte Angebotspalette großer Labels, die Tauchanzüge und Jackets fertigen. Im freudlosen Look von
Kaminkehren versinkt eine Armada von Sporttauchern entlang von Riffen, die vor Farbe nur so strotzen, als wollte man sich zu einer Beerdigung treffen. Da bleibt
die Lebensfreude hübsch verinnerlicht, die optisch nur in homöopathischen Dosen verabreicht wird, mit einer farbig gestalteten Maske oder colorierten Flossen. Dass
man als Filmer und Fotograf ob solch unsinniger Kleiderordnung schier verzweifelt, interessiert vorsichtig gesprochen - niemand aus dem Herstellerlager. Aber
genau dort wohnt eine große Verantwortung für die Entwicklung der Tauchsportkundschaft. Jedes Bild, jedes Video, das unter Wasser produziert wird, ist ein Botschafter
für den Tauchsport. Längst ist die Veröffentlichung solcher Foto- und Videoproduktionen nicht mehr allein auf die Tauchsportmedien beschränkt, deren Bildredakteure
tunlichst darauf achten, nur die Highlights der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Soziale Netzwerke, YouTube und unzählige Fotocommunities haben längst das
Aussortieren nach dem Motto „die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen“ überwunden. Die Verzweiflung der professionellen UW-Fotografen und Filmer
geht so weit, dass – obwohl man sich gerne von der Industrie sponsern lässt - für die Models im Bild am besten eigens farblich abgestimmte Anzüge in Auftrag
gegeben werden oder von der Stange im Ausland bestellt, denn schwarze Löcher überlässt man Astronomen und Amateurfotografen. Gut, dass es das Internet gibt und man
international einkaufen kann. Man muss sich nur ein wenig Mühe machen, doch das lohnt sich. Siehe www.exceedwetsuits.com
Das Voting vom März 2009 in unserem Magazin UnterWasserWelt zum Thema Farbe im Anzug und am Jacket bestätigte deutlich die Ergebnisse einer großen Umfrage von 2007
(Umfrage Tauchsport 2007). Farbe wird gewünscht! Wenn auch das jüngste Voting nicht so differenziert ist, die Standpunkte sind klar: Fast 54% würden lieber deutlich
Farbe zeigen, die aber von Shops und Herstellern bei Jackets und Anzügen nicht angeboten wird. Über Farben haben sich rund 5% noch keine Gedanken gemacht und knapp 9%
ist die Farbe egal, 2,2 % lassen sich in Ihrer Entscheidung von der Masse leiten. Diese Gruppen können bei entsprechendem Angebot zur farbig orientierten Kundschaft
werden, die 70,2% des erreichbaren Marktes bildet. Mit 26,5% outen sich die Hardliner, die nur schwarz an den Körper lassen, 4,4% wählen schwarz, weil es professionell
wirkt. Was sich auch mit unserer Umfrage von 2007 deckt, die Lieblingsfarbe der deutschen ist mit 38% Blau. In den Bildbeispielen aus den frühen 90er – Jahren
kann man sehen, was etwa Mares zu dieser Zeit anbot. Mit 20% besetzt Rot als Lieblingsfarbe den zweiten Platz, Grün den dritten Platz mit 12%. Schwarz reklamieren 8%
als bevorzugte Farbe, ebenso viele lehnen es völlig ab. Wo sonst Zahlen und Quoten immer wirken, zaudern aber Industrie und Handel, tun gerade so, als ob man in den
bunten Jahren von etwa 1984 bis 1998 stagnierende Umsätze beklagte und das Tauchvolk ständig den Ruf nach schwarzen Anzügen skandiert hätte. Richtig ist eher, dass im
genannten Zeitraum der Tauchsportboom am größten war und die Lebensfreude auch mit dem Equipment zum Ausdruck gebracht wurde. Und, es darf nicht vergessen werden, dass
in der farbenfrohen Ära die Tauchausbildung noch konzentrierter und ernsthafter war. Da wurde noch persönlich gelehrt und nicht die Schüler vor einen Bildschirm mit
DVD-Lehrprogramm gesetzt. Angesichts sinkender Ausbildungszahlen suchten Verbände den Ausweg in verwässerter Ausbildung, die schon früh das Gefühl
vermittelt, alles im Griff zu haben. Es wurde in der Menge eine Stippvisiten – Klientel herangezogen, die nur noch die grundsätzlichsten Skills zu erlernen
bereit ist, 6 Freiwassertauchgänge als das absolute Ziel sieht und danach dem Tauchsport für längere Zeit oder gar für immer die kalte Schulter zeigt. Die
Identifikation mit dem Tauchsport wird durch eine gesichtslosen Video – Theorieausbildung und reizlos uniforme Gothik – Outfit nicht gerade angeschoben.
Was nutzen da die Highend - Farbtupfer an Füßen und im Gesicht, wenn wiederum viele der in den Tropen rekrutierten Nachwuchstaucher nicht einmal eine eigene ABC
– Ausrüstung anzuschaffen bereit sind? Das Leben ist bunt, nur Anzüge und Jackets sind überwiegend schwarz. Und wagt es ein Marktführer wie Mares in der
Kollektion 2010 den Anzug Isotherm mit etwas mehr roten Farbanteilen ins Rennen zu bringen, wird dieser „Mut“ von Einzelnen intern schon wieder in Frage
gestellt. Der Handel als die heilige Kuh wird als Verweigerer ausgemacht, das anzubieten, was sich eine deutliche Mehrheit wünscht. Der mangelnde
Kollektionsdruck, wie er in anderen Sportarten – von Ski bis Tennis - völlig normal ist, schadet der positiven Entwicklung des Tauchsports. Zu wenige Händler
sind fundiert als solche ausgebildet, der Markt wird von handelnden Tauchlehren und Hilfskräften vertreten, die von der Kunst des Verkaufs kaum Ahnung haben. Und
so tritt seit Jahren der Tauchsport modisch auf der Stelle und wiederholt gebetsmühlenartig das Argument von der Nichtverkäuflichkeit farbiger Anzüge und Jackets,
besonders auch noch mit Blick auf die Damen, die mit Schwarz die Pölsterchen noch besser tarnen könnten. Aber mit rund 70% fordern auch Frauen Farbe.
Vielleicht würde der Industrie ein Sonderbrevet für Tauchlehrer weiterhelfen, nennen wir es den Trade-Instructor. In dieser weiterführenden Ausbildung wird neben
Marketinggrundlagen, Buchhaltung und Shopgestaltung auch der Verkauf geschult. Nur wer Spaß am Verkauf hat, kann auch Umsatz generieren, der nicht nur die Fixkosten
mit Mühe und Not erwirtschaftet. Nur innovativer Handel kann überleben, dafür braucht es attraktive Produkte und keine drögen Neoprenhüllen und Auftriebskörper, die
allein schon aus sicherheitsrelevanter Sicht ein „no go“ darstellen. Auch wenn der VDST einmal den Slogan prägte „Tauche wie dein Schatten“, muss man sich
nicht gleich unsichtbar machen. Wie ein Tarnkappenbomber einen Nachttauchgang zu absolvieren, das halten wir für fahrlässig. Und medizinisch bedenklich sind die
schwarzen Anzüge außerdem. Bei Sonnenbestrahlung des Tauchers wird er – nicht erst ab dem Roten Meer – thermisch stark belastet. Solange man noch nicht im
Wasser ist, versucht der Körper durch Schweißbildung zu kühlen, doch das gelingt nicht, der Wasserverlust ist dabei bedenklich und der Kreislauf reagiert auf diesen
Stress deutlich. Die Dehydrierung bedingt durch einen schwarzen Anzug steigert das Risiko von Dekompressionsproblemen durch die Verdickung des Blutes. Nur wenige,
wie der alte Tauchprofi Uli Schreiber, der seinen GNT Trockentauchanzug absichtlich im Oberkörperbereich mit einer silbergrau reflektieren Oberfläche versieht, haben
sich ernsthaft der thermischen Belastung besonnen und steuern bewusst dagegen. Und aus eigener Erfahrung können wir sagen: Er macht es richtig. Wie lange will sich
die Industrie, die das alles auch zu leisten in der Lage wäre, von ganz unten diktieren lassen, was sie produzieren darf?
Die Hoffnung stirbt zuletzt. So warten
wir gespannt auf die kommenden Kollektionen, in denen sich endlich wieder das finden mag, was den Tauchsport mit seiner Outfit attraktiv und Lebensfreude generierend
wirken lässt, verbunden mit den Vorteilen im Umfeld von Tauchsicherheit und physiologischer Belastung.
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