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Apnoe, das Tauchen mit angehaltenem Atem, nur mit dem Luftvorrat, den der Taucher in seinen Lungen mit in die Tiefe nimmt, ist in den letzten Jahren als Sportart in
das Interesse der Medien gerückt. Bei mehr oder weniger spektakulären Veranstaltungen, bei denen anfangs fast mehr Reporter als Sportler vor Ort anzutreffen waren,
geht es zumeist um den Versuch von persönlichen Leistungssteigerungen in den Disziplinen Tauchen mit konstantem Gewicht (Ab- und Auftauchen nur mit eigener
Flossenkraft) und dem Zeittauchen in einem Pool (ohne Ortsveränderung). In diesen Disziplinen werden mittlerweile weltweit Meisterschaften auf Landesebene ausgetragen
und alle zwei Jahre (zumindest möchte dies der Dachverband des Apnoe-Tauchsports AIDA mit Sitz in Frankreich so durchführen) sind Weltmeisterschaften geplant.
Zum Breitensport, so, wie es sich die begeisterten Apnoe-Taucher und auch die Tauchsportindustrie wünschen, ist das Apnoe-Tauchen noch nicht geworden. Und es darf
keinesfalls vergessen werden, dass das Apnoe-Tauchen auch tödliche Risiken birgt für die Sportler, die ihr Training unbegleitet, also allein, durchführen. Plötzliche
Ohnmachten kurz vor dem Erreichen der Wasseroberfläche, sind beim Training keine unüblichen Begleiterscheinungen und treten auch bei Wettbewerben immer wieder auf.
Kaum ein Apnoe-Taucher, der nicht schon mit dieser Problematik konfrontiert wurde. Es gehört fast “zum guten Ton” eine Ohnmacht erlebt zu haben.
Ob
beim Trainig für das Zeittauchen oder für das Tieftauchen, Sicherungsmaßnahmen müssen getroffen werden. Ein Sicherungstaucher, der aufmerksam alle Aktivitäten
verfolgt, muss ins Training mit einbezogen werden. Da die kurzen Ohnmachten in der Regel knapp vor dem Erreichen der Oberfläche auftreten, ist ein Sicherungstaucher
mit ABC-Ausrüstung genügend.
Eine besondere Apnoe-Disziplin ist das Tauchen mit Schlitten als Hilfsmittel schnell große Tiefen zu erreichen. In der Kategorie
variables Gewicht muß der Taucher mit eigener Flossenkraft aus der erreichten Tiefe wieder zur Oberfläche gelangen. Dabei darf er sich auch am Führungsseil des
Schlittens nach oben ziehen.
Non Limit heißt die Disziplin, in der Auftriebshilfen beim Rückweg zur Oberfläche eingesetzt werden. Gasgefüllte Ballons ziehen
dabei den Taucher nach oben.
Der Einsatz von Schlitten ist teuer und aufwändig. Neben einer gut eingespielten Crew, die das Gerät wartet und zum Einsatz
bringt, danach wieder an die Oberfläche zieht und auch die Sicherungstaucher stellt, ist die Eingewöhnungs- und Trainingszeit länger als bei Tauchgängen mit konstantem
Gewicht.
Eine Vielzahl von Trainingstauchgängen in allen der genannten Disziplinen führen zunächst an die Grenzen der Leistungsfähigkeit der einzelnen Sportler. Es gibt kein
übergreifendes Trainingsmodell, doch hat sich bei Kontakten der Sportler untereinander herausgestellt, dass sich die individuell entwickelten Trainingsabläufe sehr
ähnlich sehen.
Nachdem der Ursprung der im Mittelmeer angesiedelten Tieftauchversuche eher experimentellen Charakter hatte, so sagte Jaques Majol von sich
selbst, dass er aus wissenschaftlichem Interesse seine und die Grenzen der Belastungsfähigkeit des Körpers unter hohem Druck generell erfahren wollte, ist die heutige
Bewegung des Apnoe-Tieftauchens auch auf die Durchführung im Süßwasser und sogar unter Eis ausgweitet. So können natürlich die erreichten Tauchtiefen nicht mehr direkt
miteinander verglichen werden. Demnach sind 70 Meter im eiskalten Süßwasser eine physisch wie psychisch größere Leistung als in einem warmen Meer. Aber auch im
Süßwasser gibt es weltweit unterschiede. So gibt es Rekorde, die in warmen Blue Holes in Mexico aufgestellt wurden, die wiederum nicht mit den Leistungen in deutschen
oder österreichischen Seen in Beziehung zu bringen sind. Im Grunde ist der Wettstreit der beiden Urväter des Apnoe-Tieftauchens, Jaques Mayol und Enzo Majorca, die
beide noch im Alter von weit über 50 Jahren immer neue Tiefen anstrebten, wohl der Anstoß für immer neue Leistungen gewesen, nicht das wissenschaftliche Interesse
allein. Majol erreichte schließlich 105 Meter, Majorca versuchte dies zu übertreffen, zog sich aber nach einem letzten Versuch, der bis 101 Meter in die Tiefe führte,
aus diesen Aktivitäten zurück.
Bei der Vielzahl der heute möglichen Apnoe-Rekorde hat es der Dachverband des Apnoe-Tauchsports, die AIDA mit Sitz in Frankreich
sicherlich nicht leicht, einheitliche Richtlinien herauszugeben, die allen Anforderungen gerecht wird. Allerdings musste sich der Verband aber auch den Vorwurf
gefallen lassen, dass viele Beobachter der Szene den Eindruck gewannen, dass der Informationsaustausch vom Dachverband zu den Außenstellen in den einzelnen beteiligten
Ländern nicht reibungslos funktioniert. So wurden Rekordversuche ordnungsgemäß und unter Wahrung von Fristen und Auflagen angemeldet, doch kam es vor, dass erst knapp
vor der Durchführung überhaupt ein Schiedsrichter eintraf oder nach dem Rekordversuch Unklarheiten über das gegenwärtig geltende Reglement bestanden.
Welcher Rekord wird von wem anerkannt? Oder welchen Namen hat der Rekord? Oder welche Organisation steht hinter der Anerkennung des Rekords, das sind heute Fragen, die
im Apnoe-Sport noch immer gestellt werden. Ob die eher kleine Szene hier je zu einer gemeinsamen Ebene finden wird bleibt offen, denn so viele aktive Apnoe-Sportler
als mögliche zahlende Mitglieder gibt es noch lange nicht, dass davon gleich eine Vielzahl von Verbänden leben könnte. Die Sponsoren, die Mannschaften oder einzelne
Apnoe-Sportler unterstützen legen ihrerseits natürlich großen Wert darauf, daß die Leistungen der von ihnen unterstützten Sportler uneingeschränkt anerkannt
werden.
Nach spektakulären Versuchen immer größere Tiefen mit nur einem Atemzug zu erreichen, ist nunmehr etwas Ruhe in die Szene gekommen. Die bekannteste Sportlerin, Audrey
Mestre starb bei ihrem offiziellen Rekordversuch, der in 165 Meter Tiefe führen sollte, nachdem sie im Training jene Tiefe bereits erreicht hatte. Dieser Unfall zeigte
aber auch in aller Deutlichkeit, dass es im Rahmen der verfügbaren Sponsorengelder nicht möglich ist ein Rettungssystem zu entwicklen, das einen in großer Tiefe in Not
geratenen Rekordtaucher in Sicherheit zu bringen erlaubt. Auch die zuletzt erreichten Tiefen machten es immer schwieriger überhaupt Taucher einzusetzen, die in kurzen
Abständen den Verlauf des Rekordversuch beobachten und gegebenenfalls eingreifen könnten. Der tödliche Verlauf von Audrey Mestres Tauchgang beweist, dass aktuell die
vernüftigen Grenzen dieser Rekordsucht überschritten wurden, worauf einige bekannte Namen internationaler Apnoerekordhalter bereits mit Zurückhaltung oder Ausstieg aus
der tiefenorientierten Szene reagierten
Mittlerweile gibt es bei den großen Tauchsportverbänden gut ausgebildete Apnoetauchlehrer, die die notwendigen Grundlagen und Fertigkeiten
vermitteln, begleitet von einigen guten Lehrbüchern. Der Einstieg in den normale Apnoesport, der Wiege des Tauchsports schlechthin, ist auch ein Schritt zurück zu den
Wurzeln. Ausgebübt im Team ist es eine Alternative oder eine Ergänzung zum Gerätetauchen, verbunden mit wesentlich weniger Aufwand und Kosten.
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